Petrologie des Vorspessarts
Struktur des Vorspessarts
Der Vorspessart hat, wie alle Gesteine der Erde, eine lange Vorgeschichte, von bis zu 4,5 Ga. Es wäre mühsam alle diese sukzessiven Phasen zu studieren, so man das könnte. Daher konzentrieren wir uns auf das was wir heute vorfinden.
Der Vorspessart, den wir heute sehen, hat eine metamorphe, orogene Phase hinter sich, die vor etwa 320 Ma begann. Durch diese Metamorphose wurden alle vorherigen Strukturen zerstört und sind daher schwer rekonstruierbar.
Heute kann man den Vorspessart, mit seinen etwa 300 qkm Fläche, in 4 verschiedene Gesteinsgebiete aufteilen:
1. Metamorphes Kristallin oder Gneis etwa 78%
2. Quarzite etwa 16%
3. Granitoide, Quarzdiorit etwa 4%
4. Singularitäten, Vulkanite, Ganggestein, Intrusionen etwa 2%
+ Randgebiet zum Buntsandstein, Zechstein und Bröckelschiefer. (Gehören nicht mehr zum Vorspessart)
1. Metamorphes Grundgebirge
Die einigermaßen nachvollziehbare Petrologie des Vorspessarts begann mit dem Zusammenstoßen der früheren Kontinente Gondwana und Laurussia gegen Ende der Karbon-zeit an. Laurussia, wozu der heutige Spessart gehörte, wurde unter Gondwana subduziert. Alle damals bestehenden geologischen Strukturen unserer Gegend wurde unter hoher Temperatur und hohem Druck in großen Tiefen komplett umstrukturiert (vor etwa 320 Ma) oder metamorph überprägt.
Etwas später, während der Orogenese, die durch die variszische Faltung (vor etwa 356-251 Ma) entstand, wurde das metamorphe Gestein dann an die Erdoberfläche gedrückt. Eine neue kristalline Struktur war entstanden, die ungefähr 78% der Fläche des Vorspessarts ausmacht. Diese transformierten Gesteine nennt man Gneise. Aus diesen unterschiedlichen heutigen Strukturen lässt sich erahnen, dass Paragneise sedimentären und Orthogneise granitischen Ursprungs sind.
Diese verschiedenen Gneise verteilen sich etwa hälftig über den Vorspessart. Paragneise vom Hahnenkamm im Norden bis zu Aschaffenburg und Orthogneise von Aschaffenburg bis zu den Granitoiden im Süden. Die verschiedenen Gneisarten werden gerne in Formationen unterteilt die an das Alter der hypothetischen Vorgebirge gekoppelt sind und daher von uns mit Vorsicht betrachtet und hier nicht aufgeführt werden.
2. Quarzite
Die Metamorphose hatte die ganze Vorspessart Region in ihrere Gesteinsstruktur verändert und dazu gehört auch die Quarzit Region südlich von Alzenau. Die ist besonders quarzhaltig und hat sich in Quarzitfelsen (granitischer Ursprung) und Quarzitschiefer (sedimentärer Ursprung) gewandelt. Der bekannte Hahnenkamm ist eine Erhöhung von etwa 300 m über der Umgebung, die aus weicheren und schneller erodierbaren Gesteinen besteht.
Diese Quarzit Zone erstreckt sich über mehrere Kilometer in Richtung SW-NO und stellt die zweitgrößte Fläche vom Vorspessart mit etwa 50 qkm dar.
3. Granitoide
Flächenmäßig an dritter Stelle, mit etwa 12 qkm, findet man sehr hartes Quarzdiorit bei Dörrmorsbach im Süden des Vorspessarts. Seine Genese wird noch von uns bearbeitet
4. Singularitäten
Die kristalline Decke des Vorspessarts war stets Kräften ausgesetzt, die verschiedene Schwächezonen zu unterschiedlichen Zeiten entwickelten. Stets nach oben drückende Magmen konnten diese Schwächen als Vulkane, Durchbrüche und Gänge nutzen. Bekannt sind:
- Rhyolith an Hartkoppe/Rehberg bei Sailauf
- Basalt am Hohen Berg bei Lettgenbrunn
- Phonolit an der Rückersbacher Schlucht
- Lamprophyr bei Gailbach
Ältere Dolomite und Laven wurden ebenfalls metamorph überprägt und tauchen heute auf als:
- Marmor bei Gailbach
- Amphibolit bei Alzenau
Das sind die wichtigsten Singularitäten. Sie nehmen nur eine verschwindend kleine Fläch des Vorspessarts, etwa 6 qkm, ein.
Weitere Singularitäten wie Schwerspat, Kohle, Eisen, Kupfer, Apatit, Pegmatit etc. wurden derzeit nicht betrachtet.
Randgebiet
Der Vorspessart ist im Osten vom einem Saum von Zechstein (Dolomit) und Bröckelschiefer (Ton) umgeben. Diese Gesteine bilden dem Übergang zum Buntsandstein des Hochspessarts. Sie gehören nicht zum metamorphen Kristalin des Vorspessart, da es sich um erst Sedimente (Maritim für Zechstein und Terran für Erosion der Gebirge) handelt. Sie sind in unserer Gegend meist erodiert und etwas schwer zu finden;
- Zechstein bei Feldkahl
- Bröckelschiefer bei Gailbach